
In meinem alten Haus hatten wir unten im Erdgeschoss eine ebenso schicke wie beliebte “Umsonst-Kiste” rumstehen. Dort haben die Leute ihre nicht mehr benötigten Sachen reingetan, die viel zu schade zum Wegwerfen waren, uns aber dennoch irgendwie im Weg waren. Manchmal passen einem die Klamotten von der Größe her nicht mehr, manchmal vom Stil. Oder die DVD war halt schon ein paar Mal geguckt und jemand anders war dran. Oder man fand auch mal eine Rarität aus dem vergangenen System, die einfach nur cool aussah. (Das trifft auf Musik-CDs gleichermaßen wie auf die “Schöner-unsere-Städte-und-Gemeinden-Mach-Mit-”Plakette.) Oder man wollte ein sinnloses Geschenk loswerden. Oder so.
Teilweise hätte man die Sachen auch verkaufen könnnen, aber es geht ja gerade um ein nachbarschaftlich-solidarisches Miteinander ohne Profite. Dort habe ich jedenfalls ne Menge Sachen unterbekommen, über die sich Leute dann gefreut haben. (Wenn nicht, hat mein Nachbar J. sie, nachdem sie eine Weile zum Kisten-Hüter mutiert sind, in den Müll geschmissen, ein nicht zu unterschätzender Beitrag für die Attraktivität unseres Angebotes.) Und ich habe sogar hin und wieder mal was mitgenommen.
Letzte Woche hatte ich einen Rappel und habe begonnen Dinge auszusortieren. Hosen, Jacken, Pullover, Bücher, CDs, alles mögliche. Wir sind aber letztes Jahr umgezogen und in unserem neuen Haus gibt es keine Umsonst-Kiste. Es gibt sowieso in den wenigsten Häusern Umsonst-Kisten. Und jetzt fehlt sie mir. Die kleine improvisierte Umsonst-Kiste vor meiner Wohnungstür in der neuen Wohnung hat sich jedenfalls nicht so bewährt, obwohl echt krass schicke Sachen drin sind. Es kommt halt kaum jemand im fünften Stock vorbei und meine neuen NachbarInnen sind bestimmt nicht so angetan, wenn ich im Erdgeschoss einen Umsonst-Laden aufmache. So etwas lebt ja auch immer von BesucherInnen, gerne auch von solchen, die gerade deswegen vorbeikommen. F. sagte einmal zu mir, wir hätten im Haus die beste Umsonst-Kiste, die er kennt, und das war schon ein tolles Kompliment.
Zum Glück fiel mir letzte Woche mal wieder auf, wie schön es in unserem Gruppenraum sein kann, wenn sich jemand um ihn kümmert. Er wurde zum Treffen ein bisschen verschönert und hat eine wirklich sehr schöne Stimmung ausgestrahlt. Wir hatten die tollsten Ideen, eine Nachtwanderung mitten in Leipzig, wir fahren bald zusammen nach Belgien, wir gehen alle zusammen baden – aber das ist ein anderes Thema.
Weil eine Umsonst-Kiste auch immer ein Stück Begegnung ist, die dem Gruppenraum manchmal fehlt, dachte ich mir, ich mache dort eine Umsonst-Kiste auf. Macht wer mit? – dann machen wir lieber einen Umsonst-Schrank auf. Im zweiten Stockwerk stehen bis zur Neuvermietung ab Februar auch 100 m² frei …
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